Karl Adam

Zeittafel

1912 Am 2. Mai wird Karl Walter Adam in Vorhalle (heute Hagen) als drittes Kind und Nachzügler von Karl Albin Adam, Dorfschullehrer und bei der Geburt 51 Jahre alt, und Antonie Adam (41 Jahre alt), geboren. Sein Bruder Hans ist 14 Jahre älter, seine Schwester Greta 9 Jahre. 

1928 Nach seinem Besuch von Volksschule und Realschule in Wetter wechselt Karl Adam an die städtische Oberrealschule in Hagen. Am 2. März 1931 erhält er sein Reifezeugnis und entschließt sich letztlich für den Beruf des Gymnasiallehrers.
1931 Karl Adam schreibt sich für das Sommersemester an der Westfälischen Wilhelmsuniversität in Münster ein, um Mathematik und Physik zu studieren. Nach einem Jahr in Münster schreibt sich Karl Adam für zwei Gastsemester in Wien und Innsbruck ein. Adam, vom Boxen begeistert, nimmt Kontakt zu Leopold, „Poldi“ Steinbach auf, Österreichs erstem Box-Europameister.
1933 Als Karl Adam nach Münster zurückkommt, tritt er am 23. November in die SA ein – wie 3.300 der insgesamt 3.613 männlichen Studenten. Nach einem halben Jahr verlässt er wieder die SA. Mit seinem Eintritt in den Deutschen Luftsportverband (DLV e.V.) musste Karl Adam aus der SA austreten, da eine Doppelmitgliedschaft nicht erlaubt war.
1937 Im Februar schließt er das Staatsexamen an der Westfälischen Wilhelmsuniversität in Münster für das Lehramt an höheren Schulen dreimal mit Auszeichnung ab: Physik für die Mittelstufe, Mathematik für die Oberstufe und Leibesübungen als Hauptfach. Während seines Referendariats erhält Karl Adam am 18. Mai eine Berufung an die Reichsakademie für Leibesübungen, Nachfolgeorganisation der Deutschen Hochschule für Leibesübungen, an der er am 3. September die Abschlussprüfungen besteht. Vom 23. Bis 25. August finden in Paris die Akademischen Weltspiele statt, bei denen er Studentenweltmeister im Boxen wird.
1939 Am 4. Mai besteht Karl Adam die pädagogische Prüfung und erhält die Ernennung zum Studienassessor. Danach wird er versetzt in die Nationalpolitische Erziehungsanstalt (Napola). Nach dem Beginn des 2. Weltkriegs am 1. September kann sich Karl Adam nicht mehr wehren und stellt am 10. November einen Aufnahmeantrag in die NSDAP. Zu Neujahr 1940 erhält er seine NSDAP-Gaukarte mit der Nummer 7352197.
1940 Im August wird Karl Adam an die Front einberufen. Als Unteroffizier und Geschützführer muss er nach Frankreich und wird im August 1944 in der Normandie schwer verwundet.
1945 Nach dem Ende des 2. Weltkriegs wird Karl Adam von seinem Bruder Hans aufgenommen, der mit seiner Familie in Wilster, Kreis Steinburg (Schleswig-Holstein), lebt. Vorerst schlägt er sich als Tagelöhner mit Hilfsarbeiten durch und versucht, seinen durchschossenen, linken Unterarm zu stärken.
1947 Am 6. November schickt Karl Adam sein Entnazifizierungsgesuch zum Deutschen Entnazifizierungsausschuss nach Itzehoe, Kreisstadt des Kreises Steinburg. Fünf Tage später muss Karl Adam zur persönlichen Anhörung und wird im Anschluss in die Kategorie V eingestuft – er gilt als entlastet.
1948 Ende März erhält Karl Adam von der Landesregierung Schleswig-Holstein, vom Ministerium für Volksbildung, die Aufforderung, am 8. April seinen Schuldienst an der Lauenburgischen Gelehrtenschule in Ratzeburg anzutreten. Seine Fächer: Physik, Mathematik und Leibesübungen. Außerdem soll er die Ruder- und Boxriege übernehmen.
1949 Heirat am 18. Juli 1949 mit seiner Kollegin Ursula Henkel (Sport, Biologie, Erdkunde). Karl Adam hat bald vier Frauen um sich: Ehefrau Ursula und die Töchter Gisela, Regine und Ulrike.
1953 Weil die Schüler im Rudern immer stärker werden, auf offiziellen Ruderregatten als Nicht-Vereinsmitglieder aber nicht starten dürfen, gründen Lehrer und Schüler am 20. März den Ratzeburger Ruderclub.
1955 Klaus von Fersen im Einer und zusammen mit Manfred Rulffs im Doppelzweier sind am 14. August die ersten Deutschen Meister des noch jungen Clubs.

1958 Zum ersten Mal geht ein Achter des Ratzeburger Ruderclubs ins Rennen. Mit drei Längen Vorsprung wird am 3. August in Duisburg-Wedaui ein Adam-Achter Deutscher Meister. Im Boot sitzen: Hans Lenk, Bernd Kruse, Wolf Wulf, Ingo Kliefoth, Peter Bohn, Jens Hinzpeter, Walter Schröder, Manfred Rulffs und Steuermann Willi Padge. Danach beginnt bis 1968 die Erfolgsgeschichte des Deutschland-Achters mit ausnahmslos Ratzeburger Ruderern, als „Ratze-Kieler“ mit vier Kielern oder als Renngemeinschaft.

1959 Karl Adam und seine Athleten streben höhere Ziele an. Zusammen mit dem Kieler Hochschuldozenten Karl Wiepke, der auch die Ruderer von ATV Ditmarsia Kiel trainiert, wird ein neuer Achter aufgebaut: der „RatzeKieler“ mit fünf Ratzeburgern und vier Kielern. Nach dem Gewinn der Deutschen Meisterschaft gewinnt dieser Achter 1959 bei den Europameisterschaften in Macon die Goldmedaille. „Eine solche Demonstration der Überlegenheit hat man noch auf keiner Regatta der Welt gesehen“, schreibt die einheimische Zeitung.

1960 Ganz Deutschland jubelt: Nach dem „Wunder von Bern“ 1954 mit dem Gewinn der Fußball-Weltmeisterschaft, gibt es einen zweiten großen Triumph zu feiern: „Das Wunder von Rom“! Bei den Olympischen Spielen gewinnt der Deutschland-Achter die Goldmedaille und bricht damit die Erfolgsserie der USA, die 40 Jahre lang bei Olympischen Spielen ungeschlagen blieb. Karl Adam erhält das Goldene Band der Sportpresse.

1962 Wird ihm die Ehrenbürgerschaft der Stadt Ratzeburg verliehen.
1965 Am 1. April nimmt Karl Adam, der sich als Studienrat vom Schuldienst befreien ließ, als Leiter der Ratzeburger Ruderakademie seine Arbeit auf. Seine Hauptaufgaben sind die Ausbildung der Rudertrainer und die Suche nach Talenten. Noch findet die Arbeit des Leistungszentrums in einer ehemaligen Kraftfahrzeughalle statt.
1968 Am 19. April wird die neugebaute Ruderakademie eingeweiht mit Vertretern von Bund, Land und Sport. Ratzeburg wird geistiges Zentrum des Rudersports.
1970 Karl Adam erfährt als Direktor der Ruderakademie immer öfter Gegenwird. Viele Trainer und Funktionäre sehen Ratzeburg nicht mehr als erste Adresse des Deutschen Rudersports. Schon am 29. Juli 1969 hat Adam die Betreuung des Deutschland-Achters offiziell aus der Hand gegeben.
1972 Weil die Leistungen des Deutschland-Achters unter Trainer Siegfried Kuhlmey-Becker zu schwach sind, wird Adam aufgefordert, einen zweiten Verbands-Achter, einen „Rebellen-Achter“ für die Olympischen Spielen in München aufzubauen. Leider ohne Medaillengewinn, nur Platz 5. Karl Adam erhält das Verdienstkreuz 1. Klasse der Bundesrepublik Deutschland und die Ehrendoktorwürde der TH Karlsruhe.
1976 Karl Adam stirbt am 18. Juni im Alter von 64 Jahren in Bad Salzuflen an den Folgen eines Herzinfarkts.